Zwischen Wikingern und Hanse

Kontinuität und Wandel des zentralen Umschlagplatzes Haithabu/Schleswig im 11. Jahrhundert

Ralf Bleile / Ulrich Müller

Das Archäologische Landesmuseum in Schleswig beherbergt die Hinterlassenschaften zweier am inneren Ende der Schlei nahe beieinander liegender historischer Stätten mit europäischer Bedeutung: Haithabu, das vom 8. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts bestand und Schleswig, dessen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann. An beiden Orten existierten im frühen bzw. hohen Mittelalter die zentralen Kommunikationsknoten und Warenumschlagplätze Nordeuropas mit den jeweils größten Häfen ihrer Zeit. Die dadurch erwiesene, Nordeuropa umspannende Bedeutung der inneren Schlei als Tor zwischen Nord- und Ostsee, als Umschlagplatz zwischen Ost- und Westeuropa hat das Ende der Wikingerzeit in der Mitte des 11. Jahrhunderts und damit einen gravierenden Bruch in der politischen Landschaft sowie der Wirtschafts- und Infrastruktur überdauert. Die Erforschung des Übergangs von Haithabu nach Schleswig, der unter bisher ungeklärten Umständen am Beginn der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erfolgte, ist deshalb in besonderem Maße geeignet, die Abgrenzung von Wikingerzeit und Mittelalter in der archäologischen und historischen Forschung zu überwinden.

Im Archiv und im Magazin des Archäologischen Landesmuseums in Schleswig befinden sich vier Sammlungen von Dokumenten und Funden beider Orte, die jene entscheidende Phase zwischen dem Ende der Wikingerzeit und dem Beginn friesisch dominierten Handels beleuchten können. Es handelt sich um die Grabungsdokumentation „Plessenstraße“ und „Hafenstraße“ sowie den Fundkomplex aus der Ausgrabung „Hafengang“ in Schleswig (folgend Sammlung „Schleswig – Plessenstraße und Hafenstraße“, Sammlung „Schleswig – Hafengang“) und um die Grabungsdokumentation und das Fundmaterial der jüngsten Ausgrabungen sowie das Fundmaterial aus den Detektorbegehungen in Haithabu (folgend Sammlung „Haithabu – Grubenhäuser“, Sammlung „Haithabu – Detektorbegehungen“).

Von dieser erweiterten Quellenbasis aus können die Entwicklung am inneren Ende der Schlei im 11. Jahrhundert, insbesondere die Prozesse, die hinter der Aufgabe Haithabus und der Gründung Schleswigs stehen, neu bewertet werden. Die gemeinsame Bearbeitung dieser Sammlungen unter Einbindung archäometallurgischer und chemischer Analysen ist ein Schlüssel zum Verständnis nordeuropäischer Kommunikations- und Distributionsnetze am Vorabend der Hanse und leistet einen grundlegenden Beitrag zur nordeuropäischen Geschichte.

Das Projektwurde in den Jahtren 2014 -2017 durch die VW Stiftung, Förderformat "Forschung in Museen" finaziert. Mitarbeiterinnen und MItarbeiter waren Dr. Volker Hilberg, Felix Rösch M.A., Michaela Schimmer M.A.

Weitere Information finden Sie auf der Projekt-Homepage unter: www.haithabu-schleswig.de