Hansekulturen

Die Urbanisierung an der südlichen Ostseeküsten zwischen dem 11./12. und 13./14. Jahrhundert

Urbanisierung und UrbanitätDer Ostseeraum erfährt in der Zeit zwischen dem 11./12. und 13./14. Jahrhundert einen grundlegenden Wandel, der mit Begriffen wie "Europäisierung" oder "Hanseatisierung" plakativ umschrieben wird und neutral als "hochmittelalterlicher Strukturwandel" bezeichnet werden kann. Das Meer vereint seit Alters her Faszination wie Furcht des Menschen vor den Elementen. Die Stadt am Meer ist Ausdruck dieser ambivalenten Beziehung, und in ihr treffen wirtschafts- und machtpolitische Prozesse auf die naturräumlichen Bedingungen.

Dies gilt für die heutigen Seestädte ebenso wie für diejenigen des Mittelalters. Einige dieser Städte liegen unmittelbar am Meer, andere an Flussläufen, doch ihr gemeinsames Merkmal war und ist, dass sie Angelpunkte binnenländischer  und maritimer Transportzonen bilden. Die See- und Hafenstädte an der Ostseeküste öffnen sich dem Meer, ihre Entwicklung war von den Möglichkeiten wie den Gefahren des Meeres bestimmt.

An der südlichen Ostseeküste entstehen auf autochthonen Wurzeln und vor dem Hintergrund von Landesausbau und Territorialisierung, flächendeckender christlicher Durchdringung und neuen ökonomischen Formen Rechtsstädte von der Kieler Förde bis in das Baltikum hinein. Indem Stadtkonzepte aus Westeuropa übernommen und modifiziert bzw. weiterentwickelt wurden, entstand jener Typ von "civitas maritima", der auf der Grundlage eines bereits früher eingeleiteten Urbanisierungsprozesses das eigentlich Neue bildete.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, neben strukturellen Gemeinsamkeiten der Urbanisierung an der südlichen Ostseeküste auch deren Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit aufzuzeigen, um die "local level strategies" der Akteure herauszustellen. 

Ansprechpartner: Prof. Dr. Ulrich Müller