Industrialisierung und Infrastruktur

Mit der industriellen Revolution und dem Entstehen von Großindustrien entstand zunehmend die Notwendigkeit einer effizienten Logistik. Dabei spielte der Transport von Menschen und Gütern mit der Bahn eine entscheidende Rolle. Der Neubau von Eisenbahnstrecken erfolgte zuerst durch private Gesellschaften. Zu diesen "bahnbrechenden" Projekten gehört auch ein Projekt der „Cöln-Minden-Thüringer Verbindungs-Eisenbahngesellschaft“. Diese private Gesellschaft plante 1846 die Errichtung einer Bahnstrecke zwischen der hessischen Landesgrenze und Lippstadt.

Die Strecke führte auch durch das Eggegebirge, dass zumindest für den Bahnverlauf eine Herausforderung bildete. Die Pässe zwischen den bis zu 464 Meter hohen Kuppen konnten mit den damals zur Verfügung stehenden Maschinen nicht bewältigt werden. Anstelle einer aufwändigen Anfahrtsschleife oder anderer Konstruktionen plante man ein Tunnelprojekt. Der rund 560m lange Tunnelbau sollte mit modernster Bautechnik errichtet werden und stellte für die landwirtschaftlich geprägte Region des Eggegebirges ein Jahrhundertbauwerk dar. 

Heute sind nur noch eingestürzte Schächte und Halden von dem erhalten, was über 500 Bauarbeiter vor genau 170 Jahren begonnen und nie fertiggestellt hatten. Einer der mächtigen Einschnitte als Zufahrt zum einstigen Tunnel liegt sogar komplett unter Wasser. Er wird in einem Kooperationsprojekt zwischen dem LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), der rAbeitsgruppe für limnische und maritime Archäologie (AMLA) am Inst. für Ur- und Frühgeschichte der CAU Kiel und dem Lehrstuhl untersucht. 

Die Grabungsleiter Fritz Jürgens und Nils Wolpert haben bereits mit Studierenden und ehrenamtlichen Helfern im Dezember letzten Jahres (2016) das gelände prospektiert und die Tunnelzufahrt subaquatisch untersucht. Ende März / Anfang April 2017 geht es weiter. Eine Lehrgrabung wird hierbei nicht in die Tiefe des Stollens schauen, wohl aber die obertätig noch sichtbaren Relikte untersuchen. Hierzu gehören die Eingänge der Schächte, die als als Mulden im Waldboden zu erkennen sind. Aber auch Relikte der alten Eisenbahnschenke mit einer Wächterstube und einer Schmiede sind erhalten. 

Presseinformationen zu dem Projekt

LWL Pressemitteilung

Neue Westfälische

SpiegelOnline