Parzelle KGV Prüner Schlag

Zwischen Hasseldieksdammer Weg und Westring befindet sich die Kleingartenanlage "Prüner Schlag". Sie ist (besser war) Teil des sogenannten Kieler Grüngürtels, der historisch gewachsen und 1922 mit dem Grünflächen- und Siedlungsplan Kiel zentraler Teil der Kieler Stadtplanung wurde. Der Prüner Schlag rückte durch die Planungen der Stadt Kiel, dort ein Möbelzentrum errichten zu lassen, seit 2011 in den Blick der Öffentlichkeit. Die Parzellen wurden seit diesen Planungen sukzessive aufgegeben, parallel hierzu setzten bereits mehr oder minder umfangreiche Devastierungen ein. Ein sehr knapper Bürgerentscheid besiegelte das Schicksal der rund 20ha großen Fläche, die bis zur endgültigen Planierung 2017 als lost place weitgehend sich selbst überlassen war (Info)

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung wurde eine Parzelle prospektiert. Die Studie diente als Einführung in die contemporary archaeology. Zugleich stand in Frage im Raum, welche Spuren der früheren Nutzung als Kleingarten im Fundmaterial sichtbar sind, wie sich die Devastierung fassen lässt und welche Hinweise es auf eine "Nachnutzung" gibt. Ein Teil der Funde wurde von Jan Breiner im Rahmen einer BA Arbeit ausgewertet und in einer gemeinsam mit Susanne Beyer konzipierten Ausstellung im Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU präsentiert (Foto der Vitrine).

An dem Funden lassen sich typische Herausforderungen einer Archäologie der Gegenwart diskutieren. So sind die Gartenzwerge trotz des Solar-LED nur sehr allgemein datierbar. Sie sind wie üblich  im Formgussverfahren aus einem Mix von Kunstharzen produziert. Die bedeutet auch  Herausforderungen an die konservatorischen und restauratorischen Belange (z.B. Material, Farbigkeit). Drei Beilagenhefte einer Kinzo Elektrohacke konfrontieren die Archäologie nicht nur mit der Materialität von Texten, sondern bieten einen tpq 2005. Das Kaufangebot für einen Nissan Micra (Produktion ab 1982) weist aufgrund der 0160 Vorwahl den tpq 2000 (T-Mobile) auf, berührt aber auch (datenschutz)-rechtliche Aspekte. Die Fingerverbände wiederum wurden in der Zeit zwischen Ende der 1940er bis Ende 1950er Jahre produziert und überwiegend vom Militär verwendet. Wir fanden sie zusammen mit neueren Verbänden der 1980/90er Jahre im Toilettenanbau. Denkbar ist, dass es sich um Altbestände handelt, die vom Militärarsenal oder HDW (Werft) stammen.
Alles in allem spiegeln die zahlreichen Funde in Lebensweltlichkeit einer Kleingartenparzelle wieder. Erstaunlich ist dabei die zeitliche Tiefe der Funde. Sie stammen überwiegend aus den späten 1990er und 2000er Jahren und belegen mit ihren ganz eigenen Biografien das Leben in einem Kleingarten.