Zur Person

Forschungsschwerpunkte

Die Interaktion zwischen Mensch und Pflanze im ausgehenden Pleistozän und dem Holozän stehen im Mittelpunkt der Forschungen von Wiebke Kirleis. Dabei spielen Aspekte der Pflanzenökonomie und des häuslichen Wirtschaftens in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Zur Ernährung, aber auch für rituelle sowie technische Zwecke wurden Wildpflanzen gesammelt, Kulturpflanzen traten mit Anbeginn von Ackerbau und Viehzucht zum Nutzpflanzenspektrum hinzu und verbesserten die Nahrungssicherheit für die Bevölkerung. Die Pflanzennutzung war schon immer vielseitig, die zugehörigen Akteurinnen* divers. Gerade in Bezug auf die Ernährung lassen sich über die Pflanzennutzung spezifische soziale Bedeutungshorizonte erschließen. Wann welche Pflanze als Nahrungspflanze akzeptiert wird, und wie schnell dies von Statten gehen kann, wurde jüngst für die Rispenhirse Panicum miliaceum intensiv erforscht, die erst in der Bronzezeit ihren Weg von Fernost nach Mitteleuropa fand, nachzulesen in einem Beitrag in  Scientific Reports.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden neben sozio-ökonomischen Fragestellungen i. e. S. die Veränderungen von landwirtschaftlichen Praktiken und deren Auswirkungen auf die Landschaftsentwicklung. Dabei sind technologische Innovationen wie die Entwicklung vom einfachen Hakenpflug im Neolithikum oder dem schollenwendenden Pflug in der Eisenzeit genauso von Interesse wie die Anfänge der Düngewirtschaft, und die zunehmende Auflichtung der mitteleuropäischen Waldlandschaft seit dem Neolithikum, die zum Entstehen unserer heutigen Kulturlandschaft geführt hat.

Der geographische Schwerpunkt für diese Themen sind innerhalb Europas besonders das norddeutsche Tiefland, einschließlich Marsch und Geest, wie auch die mitteldeutschen Lössgebiete sowie Südosteuropa mit dem Karpathenbogen. Hinzu treten Vorderasien, der Nahe Osten und Süd- und Ostasien mit einem besonderen Fokus auf Indonesien.

Methoden

Die bestimmenden Methoden in der eigenen Forschung und der Lehre sind:

  • Archäobotanik: Analyse verkohlter und unverkohlt erhaltener subfossiler Pflanzenreste aus archäologischen Ausgrabungen,  und natürlichen Archiven
  • Palynologie: Pollen, Sporen, Algen und Großreste aus Sediment- und Torfkernen aus Mitteleuropa, dem mediterranen Raum und Südostasien
  • Anthrakologie: Makro- und Mikroholzkohlen aus archäologischen Ausgrabungen und Sedimentkernen
     

Werdegang
Wiebke Kirleis ist seit Mai 2014 Universitätsprofessorin für Umweltarchäologie am Institut für Ur- und Frühgeschichte. Die Biologin studierte Botanik, Anthropologie und Umweltgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Dissertation mit dem Titel "Vegetationsgeschichtliche und archäobotanische Untersuchungen zur Landwirtschaft und Umwelt im Bereich der prähistorischen Siedlungen bei Rullstorf, Ldkr. Lüneburg" (PDF) fertigte sie am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven an. Als Postdoktorandin bearbeitete sie am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen die Pflanzenreste aus der größten in Südniedersachsen ausgegrabenen linienbandkeramischen Siedlung "Rosdorf-Mühlengrund" (Prähist.Zeitschr.). Mit einem Stipendium des Berliner Programms zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre erforschte sie am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum, Wünsdorf, die holozäne Landschaftsentwicklung in Nordbrandenburg. Weiterhin war sie in den Sonderforschungsbereichen SFB 586 "Differenz und Integration: Wechselwirkungen zwischen nomadischen und seßhaften Lebensformen in Zivilisationen der Alten Welt" an der MLU Halle-Wittenberg und SFB 552 "Stability of Rainforest Margins, STORMA" an der Georg-August-Universität Göttingen tätig. Von 2008–2014 war sie als Juniorprofessorin für Umweltarchäologie an der Graduiertenschule Human Development in Landscapes und dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel tätig.

Wiebke Kirleis ist Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters Roots sowie der Johanna-Mestorf-Akademie. Darüber hinaus ist sie Co-Sprecherin des SFB1266 TransformationsDimensionen. Sie war bis 2018 Vorstandsmitglied der Graduiertenschule "Human Development in Landscapes".

Mitgliedschaften

Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI); Gewähltes Mitglied der Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK) des DAI; Gewähltes Mitglied der Archäologische Kommission für Niedersachsen e.V.; Reinhold-Tüxen-Gesellschaft e.V., Hannover; Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein, Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein; Association for Environmental Archaeology (AEA), UK