Niedertiefenbach

Finanzierung: GSHDL

Niedertiefenbach ist eine aus großen Steinplatten erbaute Grabkammer von 10 m Länge und 3,2 m Breite (Galeriegrab). Sie wurde in der Jungsteinzeit (Neolithikum), genauer im Spätneolithikum spätestens um 3.100 v. Chr. errichtet und bis um 2.800 v. Chr. als Bestattungsplatz (Grabgruft) genutzt. Aufgrund der großen Anzahl erhaltener Bestatteten und der besonderen Beigaben handelt es sich um ein herausragendes urgeschichtliches Forschungsobjekt der Hessischen Denkmalpflege.

Die erneute Untersuchung ist Teil eines Forschungsvorhabens zum Übergang vom Spät- in das Endneolithikum. In Mitteldeutschland findet ein Wechsel statt, von einer ausgeprägte Regionalisierung mit  einer Vielzahl an erkennbaren Formengruppen im Fundgut, Grabbau und Bestattungssitten (archäologische Kultur) hin zu zwei großräumig verbreiteten und sehr einheitlich wirkenden Gruppen: Glockenbecher und Schnurkeramik.  Es handelt sich dabei sicher nicht um ein kurzfristiges Ereignis aber doch um einen grundlegenden Wandel innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes weniger Generationen und mit oraler Tradition. Aufgrund der tiefgreifenden Veränderungen in den gesellschaftlichen Traditionen, vor allem im Bestattungsritual, gehen wir von einem auch als Krise empfundenen Übergang aus, dessen Prozesse es zu verstehen gilt.

Projektbeteiligte: Institut für Klinische Molekularbiologie,  CAU (Prof. Dr. rer. nat. B. Krause-Kyora) / Graduiertenschule Human Development in Landscapes CAU (Dipl. Prähist. K. Fuchs) / Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie, CAU (Prof. Dr. C. Dörfer, J. Kopp) / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Dr. S. Schade-Lindig) / Institut für Ur- und Frühgeschichte CAU (Dr. C. Rinne)