Dr. Fritz Jürgens

Assistent Professur Historische Archäologie; Frühgeschichte, Mittelalter- und Neuzeitarchäologie; Unterwasserarchäologie; Studienberatung

Johanna-Mestorf-Str. 2-6, R. 151
Telefon: +49 431 880-7115
Telefax: +49 431 880-7300
f.juergens@ufg.uni-kiel.de

Sprechstunde: nach Vereinbarung
Lehrveranstaltungen im UnivIS

Lebenslauf / cv

Akademischer Werdegang und Arbeitserfahrung PDF

Seit 04/2019 Assistent am Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Habilitationsthema: „Die Cöln-Minden-Thüringer Verbindungs-Eisenbahn“
Seit 09/2018 Tätigkeiten als Fachberater für GEO EPOCHE, Gruner + Jahr (Hamburg)
Seit 09/2014 Mitarbeit als geprüfter Forschungstaucher bei (unterwasserarchäologischen) Projekten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen sowie Dänemark
2007 – 2019 Tätigkeiten auf zahlreichen archäologischen Rettungs- und Forschungsgrabungen sowie Denkmalsanierungen bei diversen Universitäten, Landesämtern und Grabungsfirmen
03/2019 Ausbildung zum Scientific Recovery Expert an der Defence POW/MIA Accounting Agency (DPAA), U.S. Department of Defence
03/2018 – 02/2019 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
09/2015 – 11/2018 Promotion im Fach „Prähistorische und Historische Archäologie“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: „Der bandkeramische Zentralort von Borgentreich-Großeneder (Kr. Höxter)“
04/2017 – 03/2018 Lehraufträge am Institut für Ur- und Frühgeschichte, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
09/2014 – 11/2017 Mitausbilder und Lehrauftrag am Forschungstauchzentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
02/2012 – 07/2015 Master of Arts „Prähistorische und Historische Archäologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Westfälischen Wilhelms Universität Münster: „Das vierte vorchristliche Jahrtausend in Ostwestfalen“
02/2014 – 08/2014 Ausbildung zum geprüften Forschungstaucher an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
10/2009 – 09/2012 Bachelor of Arts „Geschichte/Archäologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg: „“Bloudy newes from sea“ Eine medienhistorische Untersuchung des ersten Englisch-Niederländischen Seekrieges (1652-1654)“
09/2008 – 09/2009 Diplomstudiengang „Wirtschaftswissenschaften für Seeverkehr“ an der Hochschule Bremen
09/1999 – 06/2008 Allgemeine Hochschulreife am Gymnasium Marianum Warburg

 

Stipendien

04/2011 – 09/2015 Max-Weber-Programm Bayern
10/2012 – 07/2015 Studienstiftung des deutschen Volkes

 

Publikationen

Schriftenverzeichnis zum download: PDF

Herausgeberschaften

  • M. Christ/J. Enzmann/F. Jürgens/F. Steffensen/J. Ullrich/F. Wilkes (Hrsg.), N.E.R.D. New European Researches and Discoveries in Underwaterarchaeology Conference. Beiträge der internationalen Konferenz der Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie 21.-23. November 2014 in Kiel. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 291 (2016).
  • Mitherausgeber bei: D. Wehner/A. Wesse (Hrsg.), Rasthäuser - Gasthäuser- Geschäftshäuser. Zur Historischen Archäologie von Wirtshäusern. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 271 (2015).

Monographien

  • F. Jürgens, Der bandkeramische Zentralort von Borgentreich-Großeneder (Kr. Höxter). Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 340 (2019).
  • F. Jürgens, Das Erdwerk in der Rotenbreite, Borgentreich, Frühe Burgen Westfalen 38 (2014).

Aufsätze

2019

  • F. Jürgens/N. Wolpert, Neues von der »Alten Eisenbahn« – Die Infrastruktur einer Tunnelbaustelle des 19. Jahrhunderts, Kr. Höxter und Paderborn. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2018 (2019) 184–187.
  • F. Jürgens/C. Szillus, Das älteste Metall in Ostwestfalen. Ein neues Kupferbeil aus Willebadessen-Eissen. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2018 (2019) 55–58.
  • F. Jürgens, Bloudy newes form sea, Interdisziplinäre Ansätze zum Verständnis frühneuzeitlicher Seeschlachten. In: Nachrichtenblatt Arbeitskreis Unterwasserarchäologie 18 2016 (2019) 85–90.
  • D. Wilken/T. Wunderlich/H. Hollmann/M. Schwardt/W. Rabbel/C. Mohr/D. Schulte-Kortnack/O. Nakoinz/J. Enzmann/F. Jürgens/F. Wilkes, Imaging a medieval shipwreck with the new PingPong 3D marine reflection seismic system. Archaeological Prospection 26/3 (2019) 211–223.
  • J. Enzmann/F. Jürgens/F. Wilkes, Der letzte Wikinger? Ein Wrack aus dem 12. Jh. bei Fahrdorf, Kr. Schleswig-Flensburg. Archäologie in Schleswig 17 (2019) 133–152.

2018

  • F. Jürgens, „Wiedaer Schiefer“ und andere neolithische Neuentdeckungen – die Sammlung Glüsing, Kr. Höxter. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2017 (2018) 41-45.
  • F. Jürgens, Das 4. Vorchristliche Jahrtausend in Ostwestfalen. Studien zum Fundmaterial der Kreise Paderborn und Höxter aus der Sammlung Glüsing und ausgewählte Grabungen. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 14, 2018/2019, 32-161.
  • F. Jürgens, Ein bemerkenswertes spätneolithisches Artefakt aus »Wiedaer Schiefer« aus Ostwestfalen-Lippe. Archäologisches Korrespondenzblatt. Archäologisches Korrespondenzblatt 2/2018, 177-189.
  • F. Jürgens/N. Wolpert, Eine Schmiede im Eggegebirge. Archäologie in Deutschland 4/2018, 51.

2017

  • F. Jürgens/ N. Wolpert, Die “Alte Eisenbahn” bei Paderborn. BLICKpunkt Archäologie 4/2017, 270-276.
  • F. Jürgens/N. Wolpert, Die „Alte Eisenbahn“ im Eggegebirge (Kr. Paderborn). In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2016 (2017) 168-171.
  • F. Jürgens/N. Wolpert, Gescheitertes Großprojekt. Archäologie in Deutschland 5/2017, 50.
  • F. Jürgens/N. Wolpert, Railway Archaeology in Germany, The SHA Newsletter 50/2, 2017, 9-11.
  • T. Schade/F. Jürgens/N. Wolpert, Ist das Müll oder kann das weg? Das Relikt eines Truppenmanövers der Nachkriegszeit bei Borgentreich (Kr. Höxter). In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 30 (2017) 251-261.
  • F. Jürgens/N. Wolpert, „…mit den Tunnels und den Gleisen…“ Die „Alte Eisenbahn“ im Eggegebirge (Kr. Paderborn). In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 30 (2017) 175-185.

2016

  • F. Jürgens, Endlich datiert - Das Erdwerk in der Rotenbreite, Kr. Höxter. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2015 (2016) 42-44.
  • F. Jürgens, Underwaterarchaeology in Kiel. In: M. Christ/J. Enzmann/F. Jürgens/F. Steffensen/J. Ullrich/F. Wilkes (Hrsg.), N.E.R.D. New European Researches and Discoveries in Underwaterarchaeology Conference. Beiträge der internationalen Konferenz der Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie 21.-23. November 2014 in Kiel. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 291 (2016) 105.
  • F. Jürgens/J. Bornschein/T. Schade/N. Wolpert, Jungsteinzeitliches Erdwerk des 4. Jt. v. Chr.. Archäologie in Deutschland 1/2016, 49-50.

2015

  • F. Jürgens, Eine Granatwerferstellung der SS auf dem Metzberg bei Borgentreich (Kr. Höxter). In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 28 (2015) 195-200.
  • F. Jürgens, Rasthäuser an langer Straße. Studien zur Lage und Verbreitung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Wirtshäuser. In: D. Wehner/A. Wesse (Hrsg.), Rasthäuser - Gasthäuser- Geschäftshäuser. Zur Historischen Archäologie von Wirtshäusern. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 271 (2015) 19-26.
  • F. Jürgens/F. Rinser/D. Wehner, „Am Becher erkennt man den Zecher“ –Trinkgefäße und Alkoholgenuss in Wirtshäusern des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. In: D. Wehner/A. Wesse (Hrsg.), Rasthäuser - Gasthäuser- Geschäftshäuser. Zur Historischen Archäologie von Wirtshäusern. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 271 (2015) 71-77.

2014

  • F. Jürgens/H.-O. Pollmann, Das Erdwerk von Borgentreich-Bühne in der Rotenbreite, Kr. Höxter. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2013 (2014) 56-59.

In Druck

  • F. Jürgens, Die LBK-Siedlung von Warburg-Daseburg. In: M. Baales/H.-O. Pollmann/B. Stapel (Hrsg.), Westfalen in der Jungsteinzeit (in Druck).
  • F. Jürgens, Die Erdwerke von Warburg-Rimbeck und Borgentreich-Bühne. In: M. Baales/H.-O. Pollmann/B. Stapel (Hrsg.), Westfalen in der Jungsteinzeit (in Druck).
  • F. Jürgens, Das Erdwerk von Borchen-Kirchborchen - Die Frage nach der Totenentsorgung in der Michelsberger Kultur. In: M. Baales/H.-O. Pollmann/B. Stapel (Hrsg.), Westfalen in der Jungsteinzeit (in Druck).
  • J. Enzmann/F. Jürgens/F.Wilkes, Structure from Motion in Underwater Archaeology - The documentation of a 12th century wreck in very low visibility. Proceedings of 2nd Warsaw Seminar on Underwater Archaeology [14.-15.01.2017] (in Druck).
  • F. Jürgens, Beile aus “Wiedaer Schiefer” – Ein typisches Rohmaterial der Bernburger Kultur. In: Tagungsband Bernburger Kultur. (in Druck).
  • F. Jürgens, Ein Schein-Riese in Kiel –das Radioteleskop der Christian-Albrechts-Universität–. In: Archäologie der Moderne (in Druck).
  • F. Jürgens, Der ehemalige Güterbahnhof Kiel-West oder: „Eisenbahnarchäologie“ – ein weiteres Tätigkeitsfeld der Neuzeitarchäologie! In: Archäologie der Moderne (in Druck).
  • F. Jürgens/N. Wolpert, Frühe Industrialisierung in ländlichen Räumen am Beispiel Ostwestfalens. In: Archäologie der Moderne (in Druck).
  • J. Enzmann/F. Jürgens/F.Wilkes, The Fahrdorf Wreck. Another Large 12th-Century Cargo Ship in the Schlei, Northern Germany. In: ISBSA 2018 (in Druck).

Projekte

Projekte mit Studierenden und der AMLA.

"Alte Eisenbahn" und Erlebnis NATURBaustelle

Zeugnisse der frühen Industrialisierung sind selten das Ziel archäologischer Untersuchungen. Im Eggegebirge östlich von Paderborn befinden sich die Reste einer Großbaustelle aus der Pionierzeit der Eisenbahn. Von 1846 bis 1848 versuchten bis zu 600 Arbeiter einen Tunnel durch das Gebirge zu graben und so eine erste Eisenbahnverbindung zwischen Thüringen und dem Rheinland zu schaffen. Da die Aktionäre jedoch zahlungssäumig wurden, ging die private „Cöln-Minden-Thüringer Verbindungs-Eisenbahn“ insolvent und das Bauvorhaben wurde aufgegeben. Die Überreste dieses Jahrhundertprojektes, auch als Alte Eisenbahn bekannt, sind seit einem Jahr Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojektes der LWL-Archäologie und der Universität Kiel. Neben drei Grabungen an zum Baustellenkomplex gehörenden Gebäuden wurde auch, erstmalig in Westfalen, eine Unter-Wasser-Prospektion der gefluteten Tunnelzufahrt durch Forschungstaucher der AMLA Kiel durchgeführt. Neben der Inventarisierung des Bodendenkmals gelang es so nicht nur, technische Fragestellung zu beantworten, sondern auch die sozialen Aspekte einer solchen Großbaustelle zu ergründen. Nicht zuletzt bietet sich hier die Chance auch die Öffentlichkeit für die Hinterlassenschaften der jüngeren Vergangenheit zu sensibilisieren.

Das Erlebnis NATURBaustelle soll dieses gescheiterte Jahrhundertbauwerk erfahrbar machen und den Besuchern einen Zugang zu der Vergangenheit bieten. Neben einigen ausgewählten Schautafeln an denen Interessierten sich, mehr oder weniger traditionell, über die historischen Fakten, technologische oder auch soziale Aspekte des Projektes und dessen Erforschung informieren können, soll dies vor allem über audiovisuelle Reize erfolgen, die zu eigenen Gedanken und Erlebnissen anregen sollen. Den Ausgang hierfür sollen Stelen schaffen, die in den archäologischen Befunden installiert werden und so einen Kontrast zwischen scheinbar ursprünglicher Natur und industriellem Erbe darstellen und aufzuzeigen. Die Stelen sollen in Form von lebensgroßen Silhouetten, in Form historischer Akteure, wie der Ingenieure, Inspektoren und natürlich auch der Arbeiter, gestaltet werden und sollen als Schaufenster in die Vergangenheit dienen und die Geschehnisse nachvollziehbar machen und die Orte der Arbeit aufzeigen. Als Material der Stelen dient rostender Stahl, der die industrielle Vergangenheit repräsentiert und dessen Schroffheit einen Kontrast zur umgebenden Natur darstellt. Darüber hinaus dienen die Stelen als Zeugen und weiterhin als Vermittler zwischen der jetzigen Naturidylle und der einstigen Großbaustelle. Dies dient als Anstoß für die Betrachter sich hieran in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Wer arbeitete hier an diesem entlegenen Ort und wie schaute es damals hier aus?
Nachdem die Finanzierung durch Unterstützung aus Landesmitteln gesichert werden konnte, befindet sich das Projekt Erlebnis NATURBaustelle derzeit in der Endphase der Planung sodass es in naher Zukunft an die konkrete Umsetzung gehen kann.

 

Medien:

 

Projektpartner:

  • Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA)
  • LWL-Archäologie für Westfalen
  • Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge
  • Stadt Lichtenau
  • Stadt Willebadessen
  • Konstantin Freiherr von Wrede/Schloss Willebadessen


Literatur:

 

Forschnungstaucherin der AMLA im gefluteten Tunneleinschnitt (Foto C. Howe)

Forschungstaucher der AMLA vor dem ehemaligen Tunnelportal (Foto C. Howe)

Mittelalterliche Stadtentwicklung im ländlichen Raum – Die Stadtbefestigung von Borgentreich

Das Subcluster UrbanROOTS der ROOTS-Exzellenzinitiative hat das Ziel Aspekte der Urbanisierung diachron zu untersuchen. Im Rahmen dieses Projektes beschäftigt sich der Lehrstuhl für Historische Archäologie mit der mittelalterlichen Stadtentwicklung im ländlichen Raum, also den Stadtgründungswellen des Hoch- und Spätmittelalters und deren Auswirkungen. Als Untersuchungsgebiet wurde Ostwestfalen gewählt, da dieses Gebiet durch zahlreiche Stadtgründungen hervortrat, von denen nicht wenige als Wüstungen überliefert sind. Ziel einer zweiwöchigen Lehrgrabung im August 2019 war die Stadt Borgentreich. Diese wurde im Jahr 1280 gegründet und ist auch heute mit weniger als 3000 Einwohnern nur wenig über ihre mittelalterlichen Grenzen hinausgewachsen. Auch die mittelalterlichen Stadtstrukturen sind im Stadtplan noch gut zu erkennen. Um den Charakter der ursprünglichen Stadtgründung zu ergründen, wurde die Stadtbefestigung an zwei Stellen geschnitten. Zusätzlich wurde eine Parzelle am „Alten Graben“ untersucht, um zu überprüfen, ob Borgentreich möglicherweise als Rundling gegründet wurde, der nach einem Stadtbrand im 13. Jahrhundert zu Hälfte aufgegeben wurde. Diese im westfälischen Städteatlas publizierte These konnte auf Grundlage der Grabungen jedoch bislang nicht bestätigt werden. In den zwei weiteren Schnitten konnten jedoch den Fundamentausbruchsgraben der Stadtmauer freigelegt werden, die nach einem Stadtbrand 1806 geschliffen wurde. Somit war es erstmals möglich den genauen Verlauf der Stadtmauer zu rekonstruieren und zu zeigen, dass sie wahrscheinlich den gesamten mittelalterlichen Stadtkern und nicht nur Teile dieses umschloss. Der Ausbruchsgraben hatte eine Breite von etwa 1,5 m, was sich gut mit dem einzigen weiteren Hinweis auf die ehemalige Stadtmauer deckt: Am Balkenturm, dem einzigen erhaltenen der acht Wachtürme, ist der Maueransatz zu erkennen, der zeigt, dass die Mauer eine Breite von 1,5 m, bei einer Höhe von 6 m hatte. Nicht geklärt werden konnte bislang, wann die Stadtmauer genau errichtet wurde, bzw. ob sie zur Erstausstattung der Stadtbefestigung gehörte. Dieses ist das Ziel weiterer Maßnahmen die für das Jahr 2020 geplant sind und so die bislang wenig betrachteten kleinen Stadtgründungen des Hoch- und Spätmittelalters näher untersuchen.


Projektpartner:

  • Exzellenzcluster ROOTS, UrbanROOTS
  • LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld
  • Stadt Borgentreich

 

Stdierende beim Freilegen des Mauerausbruchgrabens

Fabricius Stadtansicht Borgentreichs aus dem Jahr 1665

Bandkeramischer Zentralort von Borgentreich-Großeneder

Der bandkeramische Fundplatz bei Borgentreich-Großeneder (Kr. Höxter) nördlich und südlich des Ederbaches ist seit den 1940ger-Jahren durch Oberflächenfunde bekannt. Im Rahmen des Baus der MIDAL-Pipeline kam es 1993 zu umfangreichen Trassengrabungen, die zahlreiche Hausgrundrisse und Gruben, aber auch große Gräben zum Vorschein brachten. Mehrere Nachgrabungen unter Dr. H.-O. Pollmann der LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld, konnten weitere Befunde sowie das zugehörige Gräberfeld aufdecken. Im Rahmen des Dissertationsprojektes erfolgte erstmalig eine detaillierte Aufarbeitung der Funde und Befunde. Vorrangige Fragestellung hierbei war die Befunde zu Datieren und zu überprüfen, ob es sich, wie in den Vorberichten geschrieben, um zwei getrennte Siedlungen, oder einen agglomerierenden Siedlungsverband handelt, wobei letztes bewiesen werden konnte. Die Besiedlung begann in der älteren Bandkeramik und dauerte bis in die jüngere Bandkeramik an. Aufgrund der Größe, der Besiedlungsdauer und nicht zuletzt aufgrund einer massiven Befestigungsanlage kann die Siedlung als Zentralort angesprochen werden.

Projektpartner:

  • LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld
     

Literatur:

  • F. Jürgens, Der bandkeramische Zentralort von Borgentreich-Großeneder (Kr. Höxter). Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 340 (2019).

 

Silexwerkzeuge aus Borgentreich-Großeneder (Foto: A. Heitmann)

Keramik der Siedlung von Borgentreich-Großeneder (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen)

Eisenbahnarchäologie – Der ehemalige Güterbahnhof Kiel-West

Am 28. Mai 2019 wurde ein weiterer Abschnitt der Veloroute 10 in Kiel eröffnet. Dieser Schnellradweg soll im Rahmen eines neuen Mobilitätskonzeptes den Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel direkt mit der Innenstadt verbinden. Der „Premium-Fahrradweg“ folgt, wie zahlreiche andere Wege, nicht nur in Deutschland, einer alten Bahntrasse.
Unabhängig von diesem Bauvorhaben und kurz vor dessen Start führte der Autor im November 2018 im Gleisareal mit Studierenden der Ur- und Frühgeschichte eine mehrtägige Prospektion durch. Vorrangiges Ziel dieser Maßnahme war die Vermittlung grundlegender Prospektionsmethoden, aber auch industriearchäologischer Arbeitsweisen. Darüber hinaus erbrachten weiterführende Recherchen jedoch zahlreiche Erkenntnisse zu dem Komplex, die deshalb an dieser Stelle vorgestellt werden sollen und so ein Stück Kieler Verkehrsgeschichte überliefern.
Die ehemaligen Gleisanlagen im Bereich der CAU zu Kiel gehören zum ehemaligen Güterbahnhof Kiel-West. Dieser wurde 1924 als Teil einer ursprünglich geplanten Anbindung des Nordhafens am Nord-Ostsee-Kanal an die Innenstadt gebaut. Letztgenannter Streckenteil wurde nie errichtet, sodass der Güterbahnhof Kiel-West den Endpunkt der Strecke bildete. Im Bereich des Bahnhofs fanden sich auch die Gleisanschlüsse für diverse Betriebe im Gewerbegebiet am Grasweg. Der zunehmende Niedergang des Güterverkehrs auf der Schiene führte zum Rückbau der Gleisanlagen, Güterschuppen und Ladestraßen ab den 1970ger-Jahren, bevor die Strecke 1993 endgültig stillgelegt und ab 2008 zurückgebaut wurde. Im Zuge von Prospektionen wurden die wenigen noch erkennbaren Gleisanlagen, darunter mehrere Weichen, Laternen und sonstige Strukturen bestimmt, dokumentiert und kartiert umso die letzten Relikte des einstmals bedeutenden Dreh- und Angelpunkts des Kieler Güterverkehrs festzuhalten. Gleichzeitig wurde während der Untersuchung aber auch deutlich, welche Informationen verloren gehen und nicht mehr rekonstruiert werden können, auch bei Strukturen die der jüngeren und jüngsten Vergangenheit angehören.


Literatur:

  • H. Killing/L. Rose/J.-E. Schlicht, M. Voß/H. Wilkes, Der Güterbahnhof Kiel-West: Aufnahme und Historische Einordnung eines Güterbahnhofes im Rahmen der Lehrveranstaltung „Industriearchäologie“ am Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU-Kiel. Unpublizierter Bericht (Kiel 2018).

 

Veloroute 10 und ehemaliger Ladekran (Foto F. Jürgens)

Studierende bei der Prospektion der Gleisanlagen (Foto F. Jürgens)

Das hochmittelalterliche Wrack bei Fahrdorf

Eine im Jahr 2014 versehentlich durch einen Fischer geborgene Bodenwrange erwies sich als Teil eines sonst noch in situ liegenden hochmittelalterlichen Wracks in etwa 2 m Wassertiefe. Nach ersten Sondierungen durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein und das Maritime Archaeology Program der Syddansk Universitet Esbjerg, übernahm die Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA) unter J. Enzmann, F. Jürgens und F. Wilkes ab Winter 2015 die Dokumentation des Wracks, welches sich als geklinkertes Handelsschiff herausstellte und ursprünglich eine Länge von 20 m bei einer Breite von 6 m besaß. Eine Dendrodatierung erbrachte eine Erbauung um etwa 1121 n. Chr.. Ähnliche Fahrzeuge sind in der Schlei aus Haithabu, von der Möweninsel und Karschau bekannt. Es handelt sich hierbei um die letzten großen Schiffe die in der nordischen Bautradition errichtet wurden, welche darauf von der hansischen abgelöst wurde.

Erschwerend bei der Dokumentation des Wracks bei Fahrdorf erwies sich die, trotz der geringen Wassertiefe, äußerst schlechte Sicht, die auch bei optimalen Bedingungen im Winter nicht mehr als 40 cm beträgt. Um trotzdem Arbeiten zu können, wurde im Rahmen des Projektes eine Technik entwickelt, um die Strukturen mittels structure from motien (SFM) auf Grundlage von Actioncam-Videos zentimetergenau zu dokumentieren.

Projektpartner:

  • Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA)
  • Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH)
     

Literatur:

  • J. Enzmann/F. Jürgens/F. Wilkes, Der letzte Wikinger? Ein Wrack aus dem 12. Jh. bei Fahrdorf, Kr. Schleswig-Flensburg. Archäologie in Schleswig 17 (2019) 133–152.
  • D. Wilken, T. Wunderlich, H. Hollmann, M. Schwardt, W. Rabbel, C. Mohr, D. Schulte-Kortnack, O. Nakoinz, J. Enzmann, F. Jürgens, F. Wilkes, Imaging a medieval shipwreck with the new PingPong 3D marine reflection seismic system. Archaeological Prospection, DOI 10.1002/arp.1735, p. 1-22.

 

Fahrdorf 3D Modell Bodenwrangen und Planken

Fahrdorf Plan von Bodenwrangen und Planken

Erdwerk „Frömkenberg“ und frühes Kupfer in Westfalen

Das Erdwerk auf dem Frömkenberg bei Willebadessen-Peckelsheim (Kr. Höxter) wurde 2015 bei Befliegungen entdeckt. Mittlerweile verschollene Altfunde von Steinbeilen zeigten, dass der Doppelgraben als neolithische Anlage anzusprechen ist. 2016 führte die LWL-Archäologie für Westfalen geomagnetische Untersuchungen durch, die weitere Abschnitte des Grabenverlaufs sowie verschieden Erdbrücken sichtbar machten. Auffällig ist die Ähnlichkeit zur Anlage von Calden (Lkr. Kassel). Regelmäßige Prospektionen des Autors erbrachten neben dem üblichen mittelalterlichen und neuzeitlichen Einschlag zahlreiche Funde die der neolithischen Begehung und Nutzung des Areals zuzuschreiben sind. Hierzu zählen größere Mengen an ortsfremden Silex- und Quarzittrümmern, die als Rohstoff der Werkzeug- bzw. Keramikproduktion dienen. Wie üblich besteht das Inventar, aufgrund der Erhaltungsbedingungen, nur aus wenigen Keramikfragmenten, während die überwiegende Masse lithischen Ursprungs ist, also aus Fels- oder Silexgestein hergestellt ist. Neben mehreren Klingen und deren Bruchstücken handelt es sich bei den Silexwerkzeugen um mehr als ein Dutzend Kratzer und zwei Bohrer. Ebenfalls häufig befinden sich Pfeilspitzen unter den Funden, die in ihrer Formgebung relativ heterogen sind. Hervorstechend ist eine gestielte Spitze mit bifacialer Flächenretusche, ebenso wie eine mit 54 mm äußerst große Spitze mit konkaver eingezogener Basis, die bilateral jeweils zwei (Heftungs-)Kerben aufweist. Letztgenannte Objekte weisen dem Fundplatz eine spätmichelsberg- möglicherweise auch eine frühwartbergzeitliche Komponente zu, was in der Analogie zum Erdwerk in Calden plausibel scheint. Die Felsgesteinartefakte setzen sich aus den Derivaten von mehreren Steinbeilen, Schlagsteinen und Mahlsteinen zusammen.
Den herausragenden Fund stellt allerdings das Nackenfragment eines Kupferbeils dar. Hierbei handelt es sich um eine äußerst seltene Fundgattung, sind diese Artefakte doch sie ältesten Metallobjekte in Nordwestdeutschland. In Westfalen existiert ein ähnliches Stück nur in Iserlohn (Märkischer Kreis). Bei diesen Beilen handelt es sich um Importprodukte aus dem mitteldeutschen oder böhmischen Raum, die in die Zeit zwischen 4100 und 3400 v. Chr. datiert werden. Um zweifelsfrei zu klären, ob es sich bei dem Beil um eines aus Kupfer handelt, wurde am Institut für Materialwissenschaft der CAU zu Kiel eine chemische Analyse im Rasterelektronenmikroskop durchgeführt. Dieses ermöglicht durch die Messung der vom Objekt reflektierten Röntgenstrahlung eine völlig zerstörungsfreie Bestimmung der Materialoberfläche (EDX). Die Messung konnten das Material eindeutig als Kupfer bestimmen. In der Zukunft sollen weitere metallurgische Untersuchungen, wie etwa die Bleiisotopenanalyse, Auskunft über die genaue Herkunft des Metalls geben. In Frage kommen etwa das slowakische Erzgebirge oder die östlichen Alpen, in denen eine frühe eigenständige Kupfermetallurgie nachgewiesen ist. Der Fund ist von hoher Bedeutung für die Neolithikumsforschung Nordwestdeutschlands, da es sich um den ältesten Metallfund in dieser Region handelt, der zudem noch mit einem konkreten Befund, nämlich dem Erdwerk auf dem „Frömkenberg“ in Verbindung gebracht werden kann.

Projektpartner:

  • Institut für Materialwissenschaft, CAU zu Kiel
  • LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld


Literatur:

  • F. Jürgens/C. Szillus, Das älteste Metall in Ostwestfalen. Ein neues Kupferbeil aus Willebadessen-Eissen. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2018 (2019) 55–58.
  • Jakob Kainz/Michael M. Rind, Die geophysikalische archäologische Prospektion der Warburger Börde. Archäologie in Westfalen-Lippe 2016 (2017) 262–269. https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/aiw/article/view/57745/49108

 

Das Kupferbeil im REM (Foto C. Szillus)

Pfeilspitzen von Froemkenberg (Foto A. Heitmann)

Erdwerk „Rotenbreite“ bei Borgentreich-Bühne

Die Wall-Graben Anlage in dem als „Rotenbreite“ bekannten Wald zwischen Borgentreich und Bühne (Kr. Höxter) wurde 1935 entdeckt und wurde lange Zeit, aufgrund von inzwischen verschwunden Funden mehrerer Lanzenspitzen und einer Terra Sigillata Scherbe, als germanische Wallburg interpretiert. Erst systematische Prospektionen in dem stark bewaldeten Areal wurden in den 1980ger Jahren durch eine studentische Arbeitsgemeinschaft unter Dr. Peter Glüsing, Münster, durchgeführt und erbrachte Material, welches der jungneolithischen Michelsberger Kultur zugeschrieben werden konnte, sodass die Anlage seitdem als neolithisches Erdwerk angesprochen wurde. Nach über 20 Jahren stillstand führte der Autor dort erneut Prospektionen durch und konnte neben Scherben, Abschlägen und einer Flintpfeilspitze in einem Baumwurf zwei relativ vollständige neolithische Gefäße bergen. Eine Nachgrabung an dieser Stelle im Sommer 2015 erbrachte eine kleine Grube die weitere Scherben, Abschläge, Flintwerkzeuge und die Schneide einer Steindechsel enthielt. Von der Sohle der Grube wurde eine Sedimentprobe untersucht, die geringe Korn- und Spelzreste von Gerste (Hordeum vulgare) und Emmer (Triticum dicoccon), Süßgräsern (Poaceae) sowie Bruchstücke von Haselnussschalen (Corylus avellana) enthielt. Daneben fanden sich zahlreiche Holzkohlepartikel von Eiche (Quercus), Hasel (Corylus), Kernobst (Pomoideae), Weide/Pappel (Salix/Populus), Rotbuche (Fagus) und Ahorn (Acer). Einer der Fragmente konnte am 14C-Labor in Poznan datiert werden und erbracht eine Nutzung der Anlage um 3750 v. Chr., also in Spätphase der Michelsberger Kultur. Eine weitere Nachgrabung an einer Stelle an der sich im Frühjahr 2018 winzige Terra Sigillata Fragmente fanden, erbrachte jedoch keine Befunde, sodass bis jetzt keine weiteren Aussagen über die kaiserzeitliche Nutzung des Erdwerks gemacht werden können.

Projektpartner:

  • LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld
  • LWL-Altertumskommission für Westfalen
  • Labor für Archäobotanik, CAU zu Kiel


Literatur:

 

Nachgrabungen im Erdwerk im Jahr 2015 (Foto J. Bornschein)

Neolithische Funde aus einem Baumwurf (Tafel F. Jürgens)

Rückzugsgefechte der SS im Kreis Höxter

Im Rahmen von Nachforschungen zur mittelalterlichen Landwehr der Stadt Borgentreich (Kr. Höxter) wurde im Jahr 2013 der Standort einer mutmaßlichen Warte auf dem Metzberg unter der Schirmherrschaft der LWL-Archäologie für Westfalen, Referat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie archäologisch untersucht. Statt mittelalterlichen Befunden entpuppte sich die Anomalie als zerstörter Kampfstand aus dem 2. Weltkrieg. Dieser konnte als Stellung für einen Granatwerfer 34 mit einem Kaliber von 8 cm samt zugehörigem Unterstand für die Bedienmannschaft bestimmt werden, die zu einer bisher kaum bekannten Verteidigungslinie aus den Rückzugsgefechten im Frühjahr 1945 gehört. Weitere Recherchen ergaben, dass die Stellung von Angehörigen der SS Panzer-Brigade „Westfalen“ erbaut wurde, die erst wenige Wochen vorher ad hoc aus Ausbildungpersonal und Versehrten aufgestellt worden war. Diese erreichten am Abend des 3. April den Berg und begannen mit dem Bau. Im Archiv der University of Illinois überliefert das Logbook der Taskforce „Lovelady“ der 3. US-Panzerdivision „Spearhead“, dass diese Einheit nahe des Berges am Morgen des 6. Aprils in einen Hinterhalt geriet, der vermutlich durch den Granatwerfer gedeckt wurde. Nach einem kurzen Gefecht wurde der Vormarsch fortgesetzt, womit auch das Ende der Stellung auf dem Metzberg belegt ist. Sie halt also vermutlich weniger als 24 Stunden existiert. Funde, wie etwa englischer Beutemunition sprechen für die schlechte Versorgungslage der dort eingesetzten SS-Truppen und eine Volksgasmaske überliefert den auch schriftlich bezeugten Einsatz von Angehörigen des Volkssturms. Die Befunde spiegeln deutlich den harten und fanatischen Widerstand der SS-Panzer-Brigade „Westfalen“ wieder, der im krassen Gegensatz zum Verhalten vieler anderer Truppenteile steht. Weiterhin konnten die Ausgrabung ein längst vergessenes Kapitel der Kriegsereignisse in das regionale Gedächtnis rufen.


Projektpartner:

  • LWL-Archäologie für Westfalen, Referat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie


Literatur:

 

Rekonstruktion der Stellung auf dem Metzberg (Zeichnung F. Jürgens)

Freigelegte Granatwerferstellung (Foto F. Jürgens)