"Alte Eisenbahn" und Erlebnis NATURBaustelle

Zeugnisse der frühen Industrialisierung sind selten das Ziel archäologischer Untersuchungen. Im Eggegebirge östlich von Paderborn befinden sich die Reste einer Großbaustelle aus der Pionierzeit der Eisenbahn. Von 1846 bis 1848 versuchten bis zu 600 Arbeiter einen Tunnel durch das Gebirge zu graben und so eine erste Eisenbahnverbindung zwischen Thüringen und dem Rheinland zu schaffen. Da die Aktionäre jedoch zahlungssäumig wurden, ging die private „Cöln-Minden-Thüringer Verbindungs-Eisenbahn“ insolvent und das Bauvorhaben wurde aufgegeben. Die Überreste dieses Jahrhundertprojektes, auch als Alte Eisenbahn bekannt, sind seit einem Jahr Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojektes der LWL-Archäologie und der Universität Kiel. Neben drei Grabungen an zum Baustellenkomplex gehörenden Gebäuden wurde auch, erstmalig in Westfalen, eine Unter-Wasser-Prospektion der gefluteten Tunnelzufahrt durch Forschungstaucher der AMLA Kiel durchgeführt. Neben der Inventarisierung des Bodendenkmals gelang es so nicht nur, technische Fragestellung zu beantworten, sondern auch die sozialen Aspekte einer solchen Großbaustelle zu ergründen. Nicht zuletzt bietet sich hier die Chance auch die Öffentlichkeit für die Hinterlassenschaften der jüngeren Vergangenheit zu sensibilisieren.

Das Erlebnis NATURBaustelle soll dieses gescheiterte Jahrhundertbauwerk erfahrbar machen und den Besuchern einen Zugang zu der Vergangenheit bieten. Neben einigen ausgewählten Schautafeln an denen Interessierten sich, mehr oder weniger traditionell, über die historischen Fakten, technologische oder auch soziale Aspekte des Projektes und dessen Erforschung informieren können, soll dies vor allem über audiovisuelle Reize erfolgen, die zu eigenen Gedanken und Erlebnissen anregen sollen. Den Ausgang hierfür sollen Stelen schaffen, die in den archäologischen Befunden installiert werden und so einen Kontrast zwischen scheinbar ursprünglicher Natur und industriellem Erbe darstellen und aufzuzeigen. Die Stelen sollen in Form von lebensgroßen Silhouetten, in Form historischer Akteure, wie der Ingenieure, Inspektoren und natürlich auch der Arbeiter, gestaltet werden und sollen als Schaufenster in die Vergangenheit dienen und die Geschehnisse nachvollziehbar machen und die Orte der Arbeit aufzeigen. Als Material der Stelen dient rostender Stahl, der die industrielle Vergangenheit repräsentiert und dessen Schroffheit einen Kontrast zur umgebenden Natur darstellt. Darüber hinaus dienen die Stelen als Zeugen und weiterhin als Vermittler zwischen der jetzigen Naturidylle und der einstigen Großbaustelle. Dies dient als Anstoß für die Betrachter sich hieran in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Wer arbeitete hier an diesem entlegenen Ort und wie schaute es damals hier aus?
Nachdem die Finanzierung durch Unterstützung aus Landesmitteln gesichert werden konnte, befindet sich das Projekt Erlebnis NATURBaustelle derzeit in der Endphase der Planung sodass es in naher Zukunft an die konkrete Umsetzung gehen kann.

 

Medien:

 

Projektpartner:

  • Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA)
  • LWL-Archäologie für Westfalen
  • Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge
  • Stadt Lichtenau
  • Stadt Willebadessen
  • Konstantin Freiherr von Wrede/Schloss Willebadessen


Literatur:

 

Forschnungstaucherin der AMLA im gefluteten Tunneleinschnitt (Foto C. Howe)

Forschungstaucher der AMLA vor dem ehemaligen Tunnelportal (Foto C. Howe)