Mittelalterliche Stadtentwicklung im ländlichen Raum – Die Stadtbefestigung von Borgentreich

Das Subcluster UrbanROOTS der ROOTS-Exzellenzinitiative hat das Ziel Aspekte der Urbanisierung diachron zu untersuchen. Im Rahmen dieses Projektes beschäftigt sich der Lehrstuhl für Historische Archäologie mit der mittelalterlichen Stadtentwicklung im ländlichen Raum, also den Stadtgründungswellen des Hoch- und Spätmittelalters und deren Auswirkungen. Als Untersuchungsgebiet wurde Ostwestfalen gewählt, da dieses Gebiet durch zahlreiche Stadtgründungen hervortrat, von denen nicht wenige als Wüstungen überliefert sind. Ziel einer zweiwöchigen Lehrgrabung im August 2019 war die Stadt Borgentreich. Diese wurde im Jahr 1280 gegründet und ist auch heute mit weniger als 3000 Einwohnern nur wenig über ihre mittelalterlichen Grenzen hinausgewachsen. Auch die mittelalterlichen Stadtstrukturen sind im Stadtplan noch gut zu erkennen. Um den Charakter der ursprünglichen Stadtgründung zu ergründen, wurde die Stadtbefestigung an zwei Stellen geschnitten. Zusätzlich wurde eine Parzelle am „Alten Graben“ untersucht, um zu überprüfen, ob Borgentreich möglicherweise als Rundling gegründet wurde, der nach einem Stadtbrand im 13. Jahrhundert zu Hälfte aufgegeben wurde. Diese im westfälischen Städteatlas publizierte These konnte auf Grundlage der Grabungen jedoch bislang nicht bestätigt werden. In den zwei weiteren Schnitten konnten jedoch den Fundamentausbruchsgraben der Stadtmauer freigelegt werden, die nach einem Stadtbrand 1806 geschliffen wurde. Somit war es erstmals möglich den genauen Verlauf der Stadtmauer zu rekonstruieren und zu zeigen, dass sie wahrscheinlich den gesamten mittelalterlichen Stadtkern und nicht nur Teile dieses umschloss. Der Ausbruchsgraben hatte eine Breite von etwa 1,5 m, was sich gut mit dem einzigen weiteren Hinweis auf die ehemalige Stadtmauer deckt: Am Balkenturm, dem einzigen erhaltenen der acht Wachtürme, ist der Maueransatz zu erkennen, der zeigt, dass die Mauer eine Breite von 1,5 m, bei einer Höhe von 6 m hatte. Nicht geklärt werden konnte bislang, wann die Stadtmauer genau errichtet wurde, bzw. ob sie zur Erstausstattung der Stadtbefestigung gehörte. Dieses ist das Ziel weiterer Maßnahmen die für das Jahr 2020 geplant sind und so die bislang wenig betrachteten kleinen Stadtgründungen des Hoch- und Spätmittelalters näher untersuchen.


Projektpartner:

  • Exzellenzcluster ROOTS, UrbanROOTS
  • LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld
  • Stadt Borgentreich

 

Stdierende beim Freilegen des Mauerausbruchgrabens

Fabricius Stadtansicht Borgentreichs aus dem Jahr 1665