Erdwerk „Frömkenberg“ und frühes Kupfer in Westfalen

Das Erdwerk auf dem Frömkenberg bei Willebadessen-Peckelsheim (Kr. Höxter) wurde 2015 bei Befliegungen entdeckt. Mittlerweile verschollene Altfunde von Steinbeilen zeigten, dass der Doppelgraben als neolithische Anlage anzusprechen ist. 2016 führte die LWL-Archäologie für Westfalen geomagnetische Untersuchungen durch, die weitere Abschnitte des Grabenverlaufs sowie verschieden Erdbrücken sichtbar machten. Auffällig ist die Ähnlichkeit zur Anlage von Calden (Lkr. Kassel). Regelmäßige Prospektionen des Autors erbrachten neben dem üblichen mittelalterlichen und neuzeitlichen Einschlag zahlreiche Funde die der neolithischen Begehung und Nutzung des Areals zuzuschreiben sind. Hierzu zählen größere Mengen an ortsfremden Silex- und Quarzittrümmern, die als Rohstoff der Werkzeug- bzw. Keramikproduktion dienen. Wie üblich besteht das Inventar, aufgrund der Erhaltungsbedingungen, nur aus wenigen Keramikfragmenten, während die überwiegende Masse lithischen Ursprungs ist, also aus Fels- oder Silexgestein hergestellt ist. Neben mehreren Klingen und deren Bruchstücken handelt es sich bei den Silexwerkzeugen um mehr als ein Dutzend Kratzer und zwei Bohrer. Ebenfalls häufig befinden sich Pfeilspitzen unter den Funden, die in ihrer Formgebung relativ heterogen sind. Hervorstechend ist eine gestielte Spitze mit bifacialer Flächenretusche, ebenso wie eine mit 54 mm äußerst große Spitze mit konkaver eingezogener Basis, die bilateral jeweils zwei (Heftungs-)Kerben aufweist. Letztgenannte Objekte weisen dem Fundplatz eine spätmichelsberg- möglicherweise auch eine frühwartbergzeitliche Komponente zu, was in der Analogie zum Erdwerk in Calden plausibel scheint. Die Felsgesteinartefakte setzen sich aus den Derivaten von mehreren Steinbeilen, Schlagsteinen und Mahlsteinen zusammen.
Den herausragenden Fund stellt allerdings das Nackenfragment eines Kupferbeils dar. Hierbei handelt es sich um eine äußerst seltene Fundgattung, sind diese Artefakte doch sie ältesten Metallobjekte in Nordwestdeutschland. In Westfalen existiert ein ähnliches Stück nur in Iserlohn (Märkischer Kreis). Bei diesen Beilen handelt es sich um Importprodukte aus dem mitteldeutschen oder böhmischen Raum, die in die Zeit zwischen 4100 und 3400 v. Chr. datiert werden. Um zweifelsfrei zu klären, ob es sich bei dem Beil um eines aus Kupfer handelt, wurde am Institut für Materialwissenschaft der CAU zu Kiel eine chemische Analyse im Rasterelektronenmikroskop durchgeführt. Dieses ermöglicht durch die Messung der vom Objekt reflektierten Röntgenstrahlung eine völlig zerstörungsfreie Bestimmung der Materialoberfläche (EDX). Die Messung konnten das Material eindeutig als Kupfer bestimmen. In der Zukunft sollen weitere metallurgische Untersuchungen, wie etwa die Bleiisotopenanalyse, Auskunft über die genaue Herkunft des Metalls geben. In Frage kommen etwa das slowakische Erzgebirge oder die östlichen Alpen, in denen eine frühe eigenständige Kupfermetallurgie nachgewiesen ist. Der Fund ist von hoher Bedeutung für die Neolithikumsforschung Nordwestdeutschlands, da es sich um den ältesten Metallfund in dieser Region handelt, der zudem noch mit einem konkreten Befund, nämlich dem Erdwerk auf dem „Frömkenberg“ in Verbindung gebracht werden kann.

Projektpartner:

  • Institut für Materialwissenschaft, CAU zu Kiel
  • LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld


Literatur:

  • F. Jürgens/C. Szillus, Das älteste Metall in Ostwestfalen. Ein neues Kupferbeil aus Willebadessen-Eissen. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2018 (2019) 55–58.
  • Jakob Kainz/Michael M. Rind, Die geophysikalische archäologische Prospektion der Warburger Börde. Archäologie in Westfalen-Lippe 2016 (2017) 262–269. https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/aiw/article/view/57745/49108

 

Das Kupferbeil im REM (Foto C. Szillus)

Pfeilspitzen von Froemkenberg (Foto A. Heitmann)