Rückzugsgefechte der SS im Kreis Höxter

Im Rahmen von Nachforschungen zur mittelalterlichen Landwehr der Stadt Borgentreich (Kr. Höxter) wurde im Jahr 2013 der Standort einer mutmaßlichen Warte auf dem Metzberg unter der Schirmherrschaft der LWL-Archäologie für Westfalen, Referat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie archäologisch untersucht. Statt mittelalterlichen Befunden entpuppte sich die Anomalie als zerstörter Kampfstand aus dem 2. Weltkrieg. Dieser konnte als Stellung für einen Granatwerfer 34 mit einem Kaliber von 8 cm samt zugehörigem Unterstand für die Bedienmannschaft bestimmt werden, die zu einer bisher kaum bekannten Verteidigungslinie aus den Rückzugsgefechten im Frühjahr 1945 gehört. Weitere Recherchen ergaben, dass die Stellung von Angehörigen der SS Panzer-Brigade „Westfalen“ erbaut wurde, die erst wenige Wochen vorher ad hoc aus Ausbildungpersonal und Versehrten aufgestellt worden war. Diese erreichten am Abend des 3. April den Berg und begannen mit dem Bau. Im Archiv der University of Illinois überliefert das Logbook der Taskforce „Lovelady“ der 3. US-Panzerdivision „Spearhead“, dass diese Einheit nahe des Berges am Morgen des 6. Aprils in einen Hinterhalt geriet, der vermutlich durch den Granatwerfer gedeckt wurde. Nach einem kurzen Gefecht wurde der Vormarsch fortgesetzt, womit auch das Ende der Stellung auf dem Metzberg belegt ist. Sie halt also vermutlich weniger als 24 Stunden existiert. Funde, wie etwa englischer Beutemunition sprechen für die schlechte Versorgungslage der dort eingesetzten SS-Truppen und eine Volksgasmaske überliefert den auch schriftlich bezeugten Einsatz von Angehörigen des Volkssturms. Die Befunde spiegeln deutlich den harten und fanatischen Widerstand der SS-Panzer-Brigade „Westfalen“ wieder, der im krassen Gegensatz zum Verhalten vieler anderer Truppenteile steht. Weiterhin konnten die Ausgrabung ein längst vergessenes Kapitel der Kriegsereignisse in das regionale Gedächtnis rufen.


Projektpartner:

  • LWL-Archäologie für Westfalen, Referat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie


Literatur:

 

Rekonstruktion der Stellung auf dem Metzberg (Zeichnung F. Jürgens)

Freigelegte Granatwerferstellung (Foto F. Jürgens)