DFG-Projekt: Innovation und Peripherie: Interaktion im zentralen und westlichen Balkangebiet während des Neolithikums und frühen Äneolithikums

Im zentralen Balkangebiet entwickelten sich im Verlauf des 6. und 5. Jahrtausends v. u. Z. in Europa maßgebliche innovative Zentren. Unterschiedliche Innovationen wie z. B. differenzierte Siedlungssysteme mit zentralen Orten, Kupfermetallurgie, Siedlungs- und Architekturformen, die zur Akkumulation von Tells führten, und unterschiedliche keramische Neuerungen wurden hier entwickelt oder aus dem Süden der Balkanhalbinsel übernommen. Die genannten Neuerungen stehen exemplarisch für gravierende demographische und sozio-ökonomische Veränderungen, welche erstmals in die Entstehung komplexerer Gesellschaften mit stärkerer Spezialisierung mündeten und schließlich zu wachsender sozialer Ungleichheit führten. Ausgehend von neolithischen Kernzonen im Donauraum, dem südöstlichen Karpatenbecken und dem Adriagebiet wurden die genannten Innovationen mit zeitlicher Verzögerung in peripher zu den innovativen Zentren gelegenen Regionen darunter der Mittelgebirgszone des Dinarischen Gebirges adaptiert.

Bisher sind die konkreten Mechanismen und Prozesse, die zur Entstehung und Ausbreitung der genannten Phänomene führten, noch unzureichend verstanden. In dem DFG-Projekt wird deshalb versucht die Ursachen und den Verlauf von Innovationsprozessen in Relation zu regionaler Siedlungsentwicklung, naturräumlichem Potential, Landnutzungsformen, Intensitäten von Kommunikation und Austausch sowie demographischer Dynamik möglichst holistisch zu rekonstruieren. Dabei liegt besonderes Augenmerk einerseits darauf, Ursachen und Wirkungen möglichst präzise auf zwischen unterschiedlichen räumlichen Ebenen zu lokalisieren. Eine strikt quantitative Arbeitsweise soll andererseits dazu beitragen, quantitative archäologische Proxies für demographische Prozesse zu identifizieren.