Umweltarchäologie/Archäobotanik

 Archaeobotanik

Prof. Dr. Wiebke Kirleis | Tel. 880.3173 | Raum: 036
Sprechstunde: dienstags 12:30–14:00 | Aktuelle Lehrveranstaltungen (UnivIS)

Die Umweltarchäologie beleuchtet die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt in vergangenen Zeiten. In Kiel ist die Archäobotanik (Großrest-, Pollen- und Phytolithanalyse) ins Zentrum der Umweltarchäologie gerückt. Sie erforscht Kontinuität und Wandel von Wirtschaftsweisen und Ernährung in (prä-) historischer Zeit, erschliesst die Vegetationsdynamik im Umfeld vormaliger Siedlungen, Gräberfelder und weiterer anthropogener Stätten und erhellt nicht zuletzt die Kulturpflanzengeschichte. Mittels botanischer Großrestanalyse können archäologische Stätten räumlich differenziert werden indem bspw. spezielle Arbeitsbereiche in einem Siedlungsareal identifziert werden. Zudem kann sie Hinweise zur sozialen Stratifizierung vormaliger Gesellschaften liefern.

Forschungen und Projekte

Foschungsschwerpunkte liegen für Mitteleuropa bei den ältesten Ackerbauernkulturen (Linienbandkeramik, Trichterbecherkultur) im Neolithikum, dem Wandel der Landwirtschaft in der Bronze- und der Eisenzeit sowie den Entwicklungen der agrarischen Wirtschaftsweise im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Daneben wird zur Nutzung von Wildpflanzen im Mesolithikum gearbeitet (u.a. Veksa, NW-Russland). Auch die Bedeutung von Pflanzen im neuzeitlichen Begräbnisritual wird erforscht. Der Frage nach der ersten anthropogenen Auflichtung tropischer Regenwälder wird in Zentral-Sulawesi, Indonesien, nachgegangen. Aus siedlungsarchäologischen Untersuchungen des Instituts, oft von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert, stammt die Mehrzahl der Funde.

Eine Liste aktueller und auch abgeschlossener Forschungsprojekte finden Sie hier.

Literaturdatenbank ArchbotLit

Mit der Literaturdatenbank ArchbotLit im wiki-Portal der CAU Kiel wird der Fachwelt, Studierenden und darüber hinaus der interessierten Öffentlichkeit ein Hilfsmittel an die Hand gegeben, um sich über die Kulturpflanzengeschichte zu informieren. Die Datenbank erschließt archäobotanische Fachliteratur zu alten Nutz- und Kulturpflanzen, die sonst über eine Vielzahl von internationalen Zeitschriften, Ausgrabungsberichten, aber auch in grauer Literatur verstreut und daher oft schwer zugänglich ist. Die neue Wiki-Plattform ArchbotLit ist eine nachhaltige Fortsetzung der literaturbasierten online-Datenbank zu archäologischen Kulturpflanzenresten von Helmut Koll, Rainer Pasternak (beide Kiel) und Aleksandar Medović (Novi Sad), die Literatur aus den Jahren 1981-2004 erfasst hat. ArchbotLit ermöglicht über den online-Zugang an der Universität Kiel den Zugriff auf die bisherigen Einträge und wird darüber hinaus aus der internationalen Fachwelt mit aktuellen Einträgen sukzessive erweitert. Damit bildet sie einen wichtigen Knotenpunkt, an dem archäobotanische Literatur aus der weltweiten Gemeinschaft gebündelt und aktuell gehalten wird. Mit der Datenbank ist es beispielsweise möglich, die frühesten Nachweise vom Dinkel aufzufinden.

Vergleichssammlungen - physisch und digital

Als grundlegendes Handwerkszeug sind verschiedene Vergleichssammlungen in der Umweltarchäologie zugänglich.Vergleichssammlung in der Umweltarchäologie Universität zu Kiel

Vergleichssammlung tropischer Pollenkörner und Sporen (Asien-Indonesien)
Die Sammlung umfaßt derzeit mikroskopische Präparate von ca. 400 Pollenkörnern und Sporen tropischer Pflanzenarten vorwiegend aus Indonesien/Asien. Als Einbettungsmedium fand überwiegend Silikonöl jedoch auch Glycerin Verwendung. Pollen und Sporen wurden in verschiedenen Herbarien (National Herbarium Nederland, Leiden; Herbarium Bogoriense, Indonesia) gesammelt und ergänzt durch Material aus der Sammlung von Dr. Heike Culmsee, Universität Göttingen. Photographien von Pollenkörnern und Sporen aus der Vergleichssammlung sind zudem zugänglich über den Australasian Pollen and Spore Atlas (APSA) von Palaeoworks, ANU Canberra, Australien.

Taxalisten Tropische Pollenkörner (PDF) und Sporen (PDF)

Photokartei subfossiler pflanzlicher Großreste
Pflanzliche Großreste aus Bodenarchiven sind im Ablagerungszeitraum zahlreichenUmwelteinflüssen ausgesetzt. Beschaffenheit, Form und Farbe verändern sich, weshalb die Reste teilweise nur schwer mit rezentem Material vergleichbar sind. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, neben umfangreichen Sammlungen rezenter Samen und Früchte, auch Vergleichssamlungen mit subfossilem Material anzulegen. Die Photokartei, die v. a. in der Lehre eingesetzt wird, umfaßt mehr als 200 Aufnahmen von Dusanka Kucan (NIhK, Wilhelmshaven) und Wiebke Kirleis.

Vergleichssammlung rezenter Früchte und Samen
Im Bereich Archäobotanik steht eine umfangreiche Vergleichssammlung rezenter Früchte und Samen (ca. 14.000 Taxa) zur Verfügung. Sammelschwerpunkt ist Mitteleuropa, darüber hinaus sind auch alpine und mediterrane Arten vertreten.

Vergleichssammlung mitteleuropäischer und mediterraner Pollenkörner und Sporen
Die institutseigene Vergleichssammlung moderner Pollenkörner und Sporen aus Mitteleuropa und dem mediterranen Raum umfaßt ca. 3.200 Taxa.

Non-Pollen-Palynomorphen (NPP) Datenbank als NPP-Wiki-Plattform
Non-Pollen-Palynomorphe (NPP) sind Mikrofossilien, die regelmäßig in Sedimenten eingelagert sind. Daten zu NPP werden i. d. R. begleitend zu Pollenanalysen erhoben. NPP umfassen eine Vielzahl organischer Reste, darunter Pilzsporen und Hyphen, Algenzellen und -zysten, Cyanobakterien, Testamöben, Eierschalen von Parasiten und andere Überreste von Wirbellosen und Pflanzen, die in einer Vielzahl verschiedener ökologischer Nischen vorkommen, z. B. auf verrottendem Holz, in Dung, unter bestimmten Feuchtigkeits-, Nährstoff- und Salzgehaltsbedingungen, oder nach Brand- oder Erosionsereignissen. Mit ihren spezifischen Eigenschaften sind viele NPP wichtige Indikatoren, um die lokale Ablagerungsbedingungen zu erschliessen. In der NPP-Wiki-Plattform sind die bisher beschriebenen NPP-Typen (>1400) zentral gelistet und mit Bild, Beschreibung der spezifischen Eigenschaften und mit Literaturhinweisen versehen; sie wird regelmäßig aktualisisert. Die Datenbank ermöglicht einen direkten, gebündelten Zugang zu diesen Informationen, die sonst weit verstreut in verschiedenen Publikationsorganen abgelegt sind und ist somit ein wichtiges Hilfsmittel für Bestimmmung und Interpretation von NPP.

Informationen zur Probenentnahme und Aufbereitung

  • Hinweise zum Schlämmen (PDF)

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Professur

Titel E-Mail Beschreibung
Dr. Marta Dal Corso mdalcorso(at)ufg.uni-kiel.de Wiss. Assistentin, Umweltarchäologie (Archäobotanik), SFB 1266-D1 Projekt: Chalkolithikum Nordpontischer Raum
Dipl.-Biol. Yasmin Dannath ydannath(at)ufg.uni-kiel.de Projektkoordinatorin der Botanischen Plattform der GS HDL
Sofia Filatova, M.A. s.filatova(at)ufg.uni-kiel.de wiss. Mitarbeiterin SFB 1266 - F3, Projekt: Dynamik der Pflanzenökonomie in antiken Gesellschaften
Dr. Dragana Filipovic d.filipovic(at)ufg.uni-kiel.de Wiss. Mitarbeiterin, SFB-F3, Projekt: Transformationsökonomien
Dipl.-Prähist. Anna Elena Reuter areuter(at)sfb1266.uni-kiel.de

Stipendiaten und Alumni

Titel E-Mail Beschreibung
Jingping An   Vergleichende Studie zur Landwirtschaft in der Bronzezeit in Zentralchina und der Haidai Region, China
Vanessa Elberfeld velberfeld@gshdl.uni-kiel.de   
Anna Wierzgon, M.A. awierzgon@gshdl.uni-kiel.de Archaeobotanical investigations on urban settlements in northern Germany from the 12th to the 17th century; The
case studies of Luebeck, Kiel and Uelzen

 

Titel E-Mail Beschreibung
Dr. Magdalena Wieckowska-Lüth mwieckowska@ufg.uni-kiel.de PhD, 2011, Kiel: Paläoökologische Studien zur Rekonstruktion des Mensch-Umwelt-Verhältnisses an insularen Fundplätzen Schleswig-Holsteins, GS HDL
PostDoc-Projekt: Early farming in South Norway: pollen analytical investigations at Lake Skogtjern, Bamble (Telemark). Kooperation mit dem Vestfoldbaneprosjektet, Universität Oslo, Norwegen
Research foci: non-pollen-palynomorphs (NPP), pollen, multi-proxy analyses, agriculture in remote areas, Mesolithic
Mindaugas Grikpedis mindaugas.grikpedis@gmail.com PhD-thesis with Prof. Dr. Giedre Moutezaite-Matuzeviciute, Vilnius University, Lithuania, DAAD-exchange 10–11/2017
Dr. Stefanie Klooß s.klooss@ufg.uni-kiel.de

Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein, Gebietsreferentin Nord | Zum Profil

PhD, 2010: Holzartefakte von endmesolithischen und frühneolithischen Küstensiedlungen an der südwestlichen Ostseeküste (GS HDL)
Aktuelles Projekt: Differenzierung von Landschaften, Teilprojekt SPP 1400 Frühe Monumentalität und Soziale Differenzierung

Dr. des. Henrike Effenberger (Röhrs) M.A. henrike.röhrs@web.de BA, 2010: Die Pflanzenreste aus dem Megalithgrab "Brutkamp" in Albersdorf, Schleswig-Holstein
MA, 2012: Zur Wirtschaftsweise im Neolithikum anhand verkohlter Pflanzenreste aus der trichterbecherzeitlichen Siedlung Oldenburg-Dannau LA77, Schleswig-Holstein
Preisträgerin des Archäologiepreises 2011 der AGSH
Aktuelles Projekt: Landwirtschaft und Ernährung der nordischen Bronzezeit (PhD CAU Kiel/Univ. Göttingen 2015: Pflanzennutzung und Ausbreitungswege landwirtschaftlicher Innovationen in der nordischen Bronzezeit und angrenzenden Gebieten)
Dr. Welmoed Out wo@moesgaardmuseum.dk

Moesgaard Museum, Aarhus, DK | Zum Profil

Research foci: Phytoliths, Eurasian cereals, non-dietary crop products, hunter-gatherer and agricultural societies, Neolithic

Dr. Hannes Knapp hknapp@gshdl.uni-kiel.de

Universität Mainz

PhD, 2012: Habitat Harz: The Environmental History of a Mountain Area and its Foothills (GS HDL)
PostDoc-Projekt: Holzkohlenuntersuchungen an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Meilerplätzen im Erzgebirge

 

Botanische Plattform der Graduiertenschule "Human Development in Landscapes"

Die Botanische Plattform wird auf der Website der Graduiertenschule präsentiert. GS Website

Mitarbeiterin der Botanischen Plattform ist: Dipl.-Biol. Yasmin Dannath | Tel. 880.4935