Sozialarchäologie

Icon SozialarchäologieDr. Nicole Taylor  | Tel. 880.2333 | Raum: 143 | Aktuelle Lehrveranstaltungen (UnivIS)

⇐ Professur Prähistorische Archäologie

Sozialarchäologische Fragestellungen spielen sowohl im Rahmen der Lehre als auch der Forschung des Instituts eine entscheidende Rolle. Die Konstruktion des sozialen Raumes, die Entstehung sozialer Ungleichheit und die Repräsentation entsprechender Unterschiede in Netzwerken und Zentralorten werden thematisiert. Die Konstanten von Produktion, Distribution und Konsumption in menschlichen Gesellschaften bieten die Möglichkeit, sozialhistorische Prozesse und die Veränderungen der materiellen Kultur in Transformationsprozessen zu erkennen.
Neuere Fragestellungen in der Sozialarchäologie beschäftigen sich mit Aspekten von Identität und sozialer Interaktion, wie Individuen und Gruppen die eigene Gesellschaft erlebten und veränderten und damit soziale Prozesse in Gang setzten, die ihrerseits wieder Auswirkungen auf den Einzelnen oder eine ganze Gruppe haben konnten. Darüber hinaus beschäftigt sich die Sozialarchäologie mit der Frage, inwiefern archäologische Praxis Geschichten über die Vergangenheit konstruiert ("narratives") und wie sich diese Erzählungen auf heutige Gesellschaften auswirken. Mit der Berücksichtigung dieser Themenkomplexe fördert unser Institut bei den Studierenden einen bewussten und reflektierten Umgang mit diesen Mechanismen.

Theorien in der Archäologie

“theory exists, in however unsatisfactory a form, in everything that an archaeologist does regardless of region, material, period and culture…It is this pervasive, central and international aspect of archaeological theory, multiplied by its current weakness, which makes the whole issue of major importance in the further development of the discipline.”

Kopfarbeit(Clarke 1973: 17-18)

Jedesmal wenn Archäologen bei der Betrachtung, Bearbeitung oder Interpretation archäologischer Hinterlassenschaften eine Entscheidung treffen, tun sie dies auf der Grundlage ganz spezifischer theoretischer Auffassungen. Die Entscheidungen, die wir beim Studium vergangener Zeiten treffen, sind in theoretischer Hinsicht vorgeformt durch unser eigenes soziales Umfeld und unseren akademischen Kontext, ob dies nun deutlich gemacht wird oder nicht. Umso wichtiger ist es daher, dass unsere Lehre und Forschung in einer Umgebung statt findet, die es sich zum Ziel macht, unsere theoretischen Vorlieben, Vermutungen und sogar Möglichkeiten offen zu legen. Statt sich bei der Deutung der Vergangenheit am implizit-theoretischen "gesunden Menschenverstand" zu orientieren, der per se als massiv subjektiv gelten muss, erlaubt uns ein reflektierter Umgang mit Theorien, unsere Forschung mit einem Bewusstsein für unsere eigenen Voraussetzungen auf eine akademisch verantwortungsbewusste Weise zu betreiben. Dadurch erschließen wir uns ein weites Spektrum von Modellen, Hypothesen, methodischer Herangehensweise und Deutungen, insbesondere auch aus den Nachbardisziplinen wie der Anthropologie, Soziologie, Psychologie, Geschichte, Geographie und den Naturwissenschaften.