Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie Bd. 301

Die früh- bis hochmittelalterliche offene Siedlung bei Högersdorf, Kreis Segeberg
Benjamin Irkens

Schleswig-Holstein galt und gilt als „hot spot“ der Siedlungs- und Landschaftsarchäologie des ersten nachchristlichen Jahrtausends. Haithabu, Kosel oder Elisenhof sind in langjährigen Projekten untersucht und Funde wie Befunde mustergültig publiziert worden. Langfristvorhaben widmeten sich nicht nur der Nordseeküste oder den wikingerzeitlichen Siedlungen, sondern rückten auch die Peripherie der nordwestlichen Slawen wie den Fürstensitz von Starigard / Oldenburg und sein Umland in den Blickpunkt. 
Verlässt man allerdings die eher fach- und forschungsgeschichtlich denn historisch definierte Epochenschwelle des Überganges der wikingerzeitlichen, sächsischen oder slawischen Besiedlung zum Landesausbau des hohen Mittelalters, so kann man Grabungen in ländlichen Siedlungen an einer Hand abzählen. Neben Schuby, Kreis Rendsburg-Eckernförde sind unter den in jüngster Zeit ergrabenen und teilweise bereits publizierten Plätzen Bad Malente-Grellenkamp, Kr. Ostholstein, Schinkel, Kr. Rendsburg-Eckernförde und Tramm-Rathjensdorf, Kr. Plön zu nennen. Sie bieten wertvolle Einblicke in die Zeit des Landeausbaus und der Konsolidierung der mittelalterlichen Besiedlung zwischen dem 11./12. bis 14./15. Jahrhundert. 
Mit dem Fundplatz von Högersdorf, Kr. Segeberg legt Herr Benjamin Irkens nicht nur die Auswertung der Befunde und Funde vor, sondern bietet eine historische Kontextualisierung zu einem Platz, der räumlich wie zeitlich Grenzen überschreitet. Im Umfeld des limes Saxoniae und damit der sächsisch-slawischen Besiedlung gelegen, bietet die Siedlung faszinierende Einblicke in Lebenswelten des ausgehenden 10. bis 12. Jahrhunderts. Auch wenn Ausgrabungen wie jene von Högersdorf konkreten Baumaßnahmen geschuldet sind und dadurch Bodenarchive künftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung stehen, so bieten sie zugleich die Möglichkeit, den Forschungsstand zu erweitern. Damit ist ein weiterer, wichtiger Schritt getan, um auf archäologischer Grundlage die komplexe Siedlungsgeschichte dieser Zeit nachzuzeichnen.

Bonn, Habelt 2017
ISBN 978-3-7749-4011-6