Die Lange Brücke von Magdeburg

Am Weg aufgelesen

Magdeburg hat eine lange Tradition als Handelsstadt und Brückenkopf an der Elbe. Geht im Fränkischen Reich der Blick über die Elbe in das slawische Gebiet, bestimmt im Spätmittelalter der Flusslauf die wirtschaftliche Orientierung der Stadt nach Norden zur Hanse. Mit der Bindung an Preußen im 17. Jh. gewinnt erneut die ungehinderte Überquerung der Elbe an Bedeutung. Diese wechselnde Beziehung, jeweils eingebunden in politische Konflikte und wirtschaftliche Verflechtungen, manifestiert sich in den Brücken der Stadt, die einerseits den Transit fördern, andererseits die Schifffahrt hindern. Ein Teil dieser wechselvollen Geschichte Magdeburgs taucht an heißen Tagen bisweilen aus der "Alten Elbe" empor.

Die heutige Anna-Ebert-Brücke ist Teil des südlichen Brückenzuges, der aus der Stadt zum östlichen Elbeufer führt; Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahnen und Pkw queren hier täglich den Fluss. Unmittelbar nördlich der Brücke ragen im Sommer 2006 die Holzpfosten des Vorgängerbaus, die sogenannte "Lange Brücke" erneut aus dem Wasser des weitgehend versandeten östlichen Flussarms auf, der heute als "Alte Elbe" bezeichnet wird. Wer einen Moment verweilt, erblickt ein äußerst seltenes frühneuzeitliches hölzernes Bauwerk und einen Zeugen der Magdeburger Geschichte.

Bei einem Pegel von etwa 85 cm werden die optimalen Bedingungen genutzt, um dieses Baudenkmal in seinem noch erhaltenen Bestand mit Genehmigung der Denkmalpflege der Stadt und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) zu dokumentieren. Am 30.06.2006 werden die über Wasser sichtbaren und unter dem Wasser aufgespürten Pfosten je nach Form durch eine Mittelpunktkoordinate und den Durchmesser oder vier Eckpunkte tachymetrisch vermessen. Am 29.09.2006 werden ergänzend der Verlauf der Uferlinien, ein Querprofil durch den Flussarm und Teile der Brückenpfeiler der heutigen Anna-Ebert-Brücke vermessen und der Gesamtplan in das heutige Vermessungssystem eingebunden. In einer letzten Aktion werden am 13.12.2006 zwei Proben zur dendrochronologischen Datierung genommen.

Literatur

Deffner, Astrid / Exers, Udo / Rinne, Christoph:
Die Pfähle der "Langen Brücke" in Magdeburg. Archäologie in Sachsen-Anhalt 6, 2012, 258261.

Rinne, Christoph:
Die "Lange Brücke" in Magdeburg. Nachrbl. Arbeitskr. Unterwasserarch. 15, 2009, 72-78.

Rinne, Christoph:
Die "Lange Brücke". Eine Brücke in der Magdeburger Geschichte. In: M. Prell (Hrsg.), Archäologie der Brücken Archaeology of Bridges, Vorgeschichte Antike Mittelalter Neuzeit, Prehistory Antiquity Middle Ages Modern Area (Pustet, Regensburg 2011), 203-206.



© C. Rinne Aktualisiert: 08.10.2014