Wüstungslandschaft um Haldensleben : Kirche Nordhusen

Die Kirche der Wüstung Nordhusen

Nordhusen Kirche. Blick von Südwesten auf den Westquerturm (Foto U. Müller)

Zwei Kilometer südlich der Burg bei Wichmannsdorf und rund 1 km westlich von Hundisburg, liegt die Wüstung Nordhusen, an deren südlichem Rand der imposante Westquerturm als Ruine der zugehörigen Kirche steht. Der Ort wird 1218 erstmals urkundlich erwähnt, die erhaltenen Reste der Kirche sind dem Ende des 12. Jahrhunderts zuzuweisen. Ab dem 13. Jahrhundert verlagert sich der Siedlungsschwerpunkt nach Hundisburg, bis der Ort Nordhusen Ende des 15. Jahrhunderts vermutlich vollständig wüst fällt. Diese wenigen Archivquellen stehen in deutlichem Kontrast zu der Größe des noch erhaltenen Westwerks und seiner beachtlichen Höhe von 17 m. Gut 30 m westlich der Ruine beginnt ein Steinbruch, in dessen Abbruchkante keine Fundamentgruben aufgeschlossen sind, dem aber einige Bestattungen zum Opfer gefallen sein sollen. Die Breite des ehemaligen Kirchenschiffes lässt sich aus den Putzresten auf dem nordöstlichen Mauerwerk des Westwerks erschließen.

Nordhusen Kirche.GPR (ground penetrating radar, 400 mHz), dritte Zeitscheibe (10-15 ns E. Erkul, V. Glomb, T. Wunderlich). Erhaltene (schraffiert) und rekonstrierte Grundriss der Kirche Norhusen.

Eine erste geophysikalische Prospektion mit einem Magnetometer verlief wegen der sehr zahlreichen Ziegelbruchstücke nur bedingt erfolgreich. Die Untersuchung mit Radarwellen lieferte hingegen eine ausgezeichnete Visualisierung der Fundamentreste. Der nachweisbare Grundriss übertrifft die bisherige Erwartung und stellt Nordhusen an die Seite der größten Kirchen der Region (Uhrsleben, Schwanefeld). Östlich der Elbe sind die Kirchen von Dalchau, Nedlitz und Pretzin (Ersterwähnung 1161, 963 und 1151) in Grundriss und Dimension vergleichbar

In Nordhusen fällt als erstes die beträchtliche Länge von Schiff und Chor auf, die mit 23,9 m fast bis an den östlich anschließenden Steinbruch reicht. Die Breite des Schiffes entspricht der bisherigen Rekonstruktion, die sich an den im aufgehenden Mauerwerk erkennbaren Baufugen und den erhaltenen Putzresten orientiert hat. Die außerordentliche Größe wird vor allem durch die große Länge von Chor und Apsis mit insgesamt 10 m verursacht.

Nordhusen Kirche.Rekonstruktion der Kirche mit Google Sketchup, dargestellt in Google Earth.

Im Vergleich mit anderen romanischen Kirchen im unmittelbaren Umland und dem Raum Magdeburg gehört Nordhusen mit einer Gesamtlänge von 29,1 m zum oberen Drittel. Als nächstgelegener Vergleich bietet sich die Kirche von Alvensleben-Markt in Bebertal an. An den ältesten, romanischen Westteil des Schiffes, der bis an das vorletzte Fenster in der Südwand reicht, ist der im unteren Teil spätromanische Turm angebaut. Damit sind die belegten Längen von 5,27 für den Turm und 14,22 m für das Schiff nur geringfügig kürzer als in Nordhusen. Wenn der heutige, im späten 17. Jahrhundert angebaute Chor den ehemals vermutlich vorhandenen umfasst hat um eine Fortsetzung des Gottesdienstes während der Baumaßnahmen zu gewährleisten, ergibt sich eine ehemalige Gesamtlänge der Kirche von 28 m. Der romanische Turm der Dorfkirche von Groß Santersleben, 8 km südwestlich gelegen, weist mit 6,69 m Länge und 9,75 Breite eine andere Proportion und insgesamt vier Quadratmeter mehr Grundfläche auf. Die Breite, maßgebend für die Dimension des Kirchenschiffs ist aber 2 m geringer als in Nordhusen. Insofern wird auch der Gesamtbau nicht die Dimension von Nordhusen erreicht haben. Größer als Nordhusen wird der ursprüngliche Bau der Dorfkirche von Uhrsleben, 10 km südwestlich von Nordhusen, gewesen sein. Eine Baufuge in der nördlichen Wand des Schiffes belegt eine Länge des westlichen romanischen Teils von 16,85 m, der somit deutlich größer als Nordhusen ausfällt. Ergänzt um die Länge des Turmes von 7,03 m und einen nicht mehr dokumentierten Chor, ist eine Gesamtlänge der Kirche von über 30 m sehr wahrscheinlich. Abschließend sei noch die Dorfkirche von Schwanefeld erwähnt, die 20 km weiter westlich liegt. Der Turm weist mit 5,7 m zu 10,98 m im Vergleich zu Nordhusen nur geringfügig niedrigere Maße auf. Das erhaltene romanische Schiff reicht mit 10,66 m nahezu über die gesamte Breite des Turmes und ist mit einer Länge von 20,88 m insgesamt deutlich größer als Nordhusen. Diese Bauelemente sind noch um den sich im Osten anschließenden Chor zu ergänzen, der durch Maueransätze belegt ist.

Weitere romanische Kirchen mit vergleichbaren Grundrissen können aus dem Jerichower Land und Magdeburger Raum angeführt werden

Literatur

Harksen, Marie Luise; Engels, Walter; Goern, Herrmann:
Die Kunstdenkmale des Kreises Haldensleben (Leipzig 1961).

Hauer, Ulrich:
Die romanischen Kirchenreste der Wüstungen Glüsig, Nordhusen und Althalvensleben. Jahresschrift der Museen des Ohrekreises - Haldensleben und Wolmirstedt - 12 (45), 2005, 21-38.

Roessle, Jochen:
Die romanischen Dorfkirchen des Magdeburger Landes. Untersuchungen einer Bauform des 12. und 13. Jahrhunderts (2006).

Download für das Modell in der Gallerie von Google Sketchup



© C. Rinne und U. Müller