Archäologisches Kolloquium: Prof. Dr. Katharina Neumann, Frankfurt am Main

16.07.2018 von 18:30 bis 20:30

Johanna-Mestorf-Hörsaal, Johanna-Mestorf-Straße 4, R. 28, EG

"Zwischen Savanne und Regenwald - Zur Landwirtschaftsgeschichte West- und Zentralafrika"

Afrika hat eine sehr spezielle Entwicklung der frühen Landwirtschaft durchlaufen, die sich von allen anderen Kontinenten unterscheidet. Während im Nahen Osten, China und Amerika Kulturpflanzen früher oder gleichzeitig mit Haustieren domestiziert wurden, beginnt die Nahrungsproduktion in Afrika mit der Viehhaltung um 6000 v. Chr. in der damals noch grünen Sahara. Domestizierte Pflanzen und Sesshaftigkeit folgten erst um 2500 v. Chr., als mit zunehmender Austrocknung der Sahara die Pastoralisten nach Süden in die Savannenzone zogen. Die westafrikanischen Savannen sind ein sog. Non-Zentrum (nach Harlan) der Pflanzendomestikation mit vielen einheimischen Kulturpflanzen, die in verschiedenen Regionen domestiziert wurden. Die älteste Kulturpflanze ist die Perlhirse (Pennisetum glaucum), die sich ab 2500 v. Chr. aus der Südsahara in ganz Westafrika ausbreitet und um 400 v. Chr. den zentralafrikanischen Regenwald erreicht. Untersuchungen aus zwei aktuellen Projekten der Frankfurter Arbeitsgruppe (Nok/Nigeria und DR Congo) belegen die wichtige Rolle der Perlhirse in zwei sehr unterschiedlichen Lebensräumen. Für die Dominanz und Persistenz der Perlhirse selbst in Gebieten, wo ihr Anbau aus ökologischen Gründen schwierig ist, sind neben Eigenschaften der Pflanze selbst wahrscheinlich kulturelle Faktoren verantwortlich. Eine Besonderheit West- und Zentralafrikas ist die Nutzung von Wildpflanzen bis in die Gegenwart und die Entwicklung einer speziellen Kulturlandschaft mit einer Kombination von Getreideanbau und wilden Fruchtbäumen (Parksavannen).

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