Archäologisches Kolloqium: Dr. Detlef Jantzen, Schwerin

24.11.2014 von 18:30 bis 20:30

Johanna-Mestorf-Hörsaal (JMS4 - R. 28)

Das Tollensetal bei Altentreptow (Mecklenburg-Vorpommern) - Schauplatz eines großen Gewaltkonfliktes der älteren Bronzezeit?

 

Im Tal des Flüsschens Tollense, nördlich von Altentreptow (Mecklenburg-Vorpommern)
gelegen, wird seit 2009 eine der außergewöhnlichsten archäologischen Fundstellen
Nordeuropas untersucht. Unter Torf und im Wasser wurden dort die Überreste von mindestens 120 Menschen und fünf Pferden aus der Zeit um 1300 v. Chr. entdeckt. Dass zumindest die Menschen keines natürlichen Todes starben, zeigen zahlreiche Verletzungen an den Knochen. Sie lassen darauf schließen, dass die Menschen mit Pfeil und Bogen, mit Stichwaffen und mit Holzkeulen angegriffen wurden. Da im Tal auch zahlreiche Pfeilspitzen, zwei Holzkeulen und andere Waffen gefunden wurden, drängt sich der Verdacht auf, dass die Menschen an Ort und Stelle getötet wurden.
Alles deutet also darauf hin, dass im Tollensetal die Überreste eines großen Gewaltkonfliktes aus der älteren Bronzezeit entdeckt wurden. Für den Mittelmeerraum sind solche Großkonflikte aus Schrift- und Bildquellen durchaus bekannt. Nördlich der Alpen gab es bislang jedoch keine Hinweise auf vergleichbare Auseinandersetzungen. Die Fundstelle im Tollensetal wird das überwiegend friedliche Bild, das die archäologische Forschung von der hiesigen Bronzezeit bislang zeichnete, deshalb um einen ganz neuen Aspekt erweitern. Zugleich wirft sie die Frage auf, ob es in der älteren Bronzezeit bereits „professionelle“ Krieger gab und welcher Voraussetzungen es bedurfte, um überhaupt derartige Großkonflikte auszutragen.
In dem Vortrag werden die Ergebnisse der interdisziplinären Arbeitsgruppe vorgestellt, die die Fundstelle im Tollensetal mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unter Federführung von Dr. Detlef Jantzen (Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Landesarchäologie) und Prof. Thomas Terberger (Universität Greifswald, jetzt Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege) untersucht.

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