Sozialarchäologie

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Prof. Dr. Martin Furholt | Tel.: 880.3372 | Raum: 150 | Aktuelle Lehrveranstaltungen (UnivIS)

 

Es gibt weit verbreitete, immer wiederkehrende Geschichten über die soziale Organisation vergangener Gesellschaften, über vergangene Motivationen, die "menschliche Natur", bestimmte Formen "rationalen Verhaltens", die angeblich die Vorgeschichte bestimmen. Diese sind meist nicht das Ergebnis einer tatsächlichen Erforschung der Vergangenheit, sondern eher Projektionen unserer eigenen Vorurteile.

Die Sozialarchäologie stellt ein Forschungsprogramm dar, das darauf abzielt, die archäologischen Quellen wieder prominenter in unser Verständnis der Vorgeschichte einzubringen, und sie tut dies, indem sie archäologische Daten mit sozialer Theorie und sozialanthropologischem Wissen vereint. Sozialarchäologie erforscht die Art und Weise, wie prähistorische und historische Menschen interagierten, wie gegenseitige Unterstützung, soziales Teilen und Zusammenarbeit, aber auch Wettbewerb und Konflikt die sozialen Beziehungen prägten, wie die Menschen ihre Gemeinschaften organisierten, welche sozialen Gruppen oder Fraktionen existierten, wie kollektive Entscheidungen getroffen wurden, wer politische Macht innehatte und worauf diese Macht beruhte, welche Institutionen existierten und wie sie aufrechterhalten wurden, wie der soziale Raum konstruiert war und welche Rolle er spielte; sie untersucht die sich verändernden Eigenschaften von sozialen Netzwerken und zentralen Orten. Die Sozialarchäologie untersucht, welche Ideen und Praktiken vergangenen Formen von Verwandtschaft und Gender zugrunde lagen, wie Werte und Identitäten gebildet und aufrechterhalten wurden. Die Sozialarchäologie interessiert sich für vergangene Ontologien und Weltanschauungen und deren Beziehung zu rituellen, magischen und religiösen Praktiken, sie untersucht die Beziehung zwischen Ideologien und Modi der materiellen Produktion und des Austauschs von Dingen, Werten und Ideen.